Jiaogulan-Tee: Wie das Kraut der Unsterblichkeit dem Exitus entkam

Jiaogulan Pflanze
Jiaogulan-Pflanze

Das Kraut der Unsterblichkeit ist gerade noch einmal dem Exitus entkommen, wollte es Herr Kräuterpracht doch den Schnecken zum Fraß vor die Fühler pflanzen. Dann hätte ich noch weitere unsterbliche Schleimer  im Garten gehabt, haben sie doch schon mein anderes Jiaogulan (sprich: „Dschiau-gu-lan“) aufgefressen. Nun möchte ich keinesfalls auf Herrn Kräuterpracht schimpfen, wollte er mir doch nur Gutes tun und war dabei ein bisschen übereifrig in seinem Pflanzfieber. Das Jiaogulan muss so einsam auf der Terrasse ausgeschaut haben, dass er es eben in die Erde bringen wollte. Nun steht es wieder ausgebuddelt auf der Fensterbank, damit die schleimigen Fieslinge seiner nicht habhaft werden können, denn schließlich will ich es selbst vertilgen oder – besser gesagt – einen Tee daraus brauen.

Jiaogulan als Tee

Denn das Kraut der Unsterblichkeit bewahrt mich vor etwas, was ich nicht tun sollte. Sterben werde ich zwar irgendwann unweigerlich. (Aber die Zusatzbezeichnung des Jiaogulan sollte man ohnehin nicht zu wörtlich nehmen. Dazu später mehr.) Nein, ein Tee mit Jiaogulan bewahrt mich vor dem Kaffee trinken, der mir einfach nicht gut tut. So hilft mir der Tee nicht nur mich Schädigendes zu vermeiden, sondern hat auch noch jede Menge andere positive Eigenschaften, die man für die Schönheitspflege von innen und fürs Anti Aging einsetzen kann. Aber erst einmal, warum Jiaogulan-Tee mir dabei hilft, den Kaffee-Junkie in mir in Griff zu halten. Schon der Duft des starken dunklen Gebräus lässt bei mir alle möglichen Synapsen losfeuern. Kaffee tut mir aber leider nicht gut.

Was er aus der Sicht der chinesischen Medizin im Organismus bewirkt, habe ich schon hier beschrieben. Diese Wirkungen spüre ich sehr deutlich, lässt mich Kaffee ausgedörrt und zappelig zurück. Also lasse ich besser – bis auf wenige Ausnahmen – die Finger von dem Lieblingsgetränk der Deutschen. Und da kommt Jiaogulan ins Spiel. Anstatt nämlich zur Kaffeemaschine zu gehen, mache ich mir Teewasser heiß, um das heiße Wasser über Jiaogulan zu gießen. Der Tee ist fast so schön schwarz wie Kaffee. Der Geschmack ist ein anderer, aber Jiaogulan punktet eben auch mit einer herben, ganz leicht bitteren und süßen Note. Ein bisschen ähnelt der Geschmack auch an Lakritz. Jiaogulan-Tee befriedigt so sehr meine Geschmacksknospen, dass ich vom Kaffee die Finger lassen kann. Und nicht nur das: Darüber hinaus hat Jiaogulan viele wunderbare Eigenschaften, um Schönheitspflege von innen zu betreiben – eben Anti Aging aus der Teetasse, wie ich es so gerne nenne.

Jiaogulan -Tee

Jiaogulan (lateinisch: Gynostemma pentaphyllum ) soll ähnlich wirken wie Ginseng, nur noch besser. So wird die Pflanze auch „Ginseng des Südens“ und „Fünf Blätter Ginseng“ genannt. Die frühesten Aufzeichnungen sollen aus dem Jahr 1400 nach Christus aus China stammen. Der hohe Anteil von Menschen über 100 Jahren in der chinesischen Provinz Guishou hat man einst dem dortigen Genuss des Jiaogulan-Tees zugeschrieben. In China heißt das Kraut Xiancaio.

Was Ginseng und Jiaogulan  gemein haben, sind die so genannten Ginsenoside. Darüber hinaus verfügt Jiaogulan über so genannte Gypeniosode, die ebenfalls eine sehr wohltuende Wirkung haben sollen. Die Gypenoside und Ginsenoside.sollen auch für den leicht lakritzartigen Geschmack verantwortlich sein. Auch bei den an der Hormonsynthese beteiligten Saponinen muss Jiaogulan den Vergleich mit Ginseng nicht scheuen. Beim Ginseng hat man 20 Saponine gezählt,  bei Jiaogulan  über 80. Die höchste Dichte an Saponine soll man laut Studien vor der Blüte in der Pflanze finden. Alle diese Eigenschaften sollen dem Körper helfen, besser mit Stress umzugehen und zu viel Stress beschleunigt den Alterungsprozess. Zudem haben Wissenschaftler gezeigt, dass Jiaogulan das Enzym Superoxiddismutase (SOD) anregt, das als ein Antioxidans gilt. Antioxidantien werden auch als Radikalenfänger bezeichnet, die eine Rolle beim Altern und beim Krankheitsgeschehen haben sollen.

Jiaogulan für Anti Aging

Jiaogulan gilt zudem als ein Adaptogen. Das heißt, die Pflanze ist immer ausgleichend und hilft dem Körper dabei, in Balance zu kommen. Zu schwache Körperfunktionen sollen angeregt, zu starke gedämpft werden. Für Frauen soll Jiaogulan noch besser verträglich sein als Ginseng. Nebenwirkungen sind mir keine bekannt. In der traditionell chinesischen Medizin (TCM) nutzt man Jiaogulan , um den Geist zu beruhigen und Hitze aus dem Körper zu leiten. Auch Gifte sollen aufgelöst werden.

Bis ich Blätter meiner gerade wieder ausgebuddelten Pflanze allerdings trinken kann, muss sie noch ein wenig wachsen und sich von der Pflanzaktion erholen. Im Winter zieht sie sich draußen in ihre Wurzeln unter der Erde zurück, um dann im Frühjahr frisch und voller Energie auszutreiben. Da ich mein Pflänzchen aber im Haus überwintern lassen will, steht die Chance gut, dass es auch in der kalten Jahreszeit weiter wächst. Vorrat habe ich aber genug im Haus, denn ich habe getrocknetes Jiaogulan aus dem Kräuterhandel gekauft.

Der Tee lässt sich aus getrockneten und frischen Blättern machen. Die frischen Sprossen sind auch eine leckere Zutat für Salate. Nun lasse ich mein Pflänzchen aber erst einmal wachsen. Jiaogulan kann bis zu acht Meter lang werden. Die Schnecken werden aber trotzdem nichts abbekommen, sehr wohl aber Herr Kräuterpracht, dem ich das Kraut der Unsterblichkeit mal in den Salat schmuggeln werde. Schließlich möchte ich, dass er möglichst lange mit mir gärtnert.

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2 Comments on “Jiaogulan-Tee: Wie das Kraut der Unsterblichkeit dem Exitus entkam”

  1. Guten Tag Frau Betancourt!
    Vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung des Jiaogulan-Tees und generell Ihreres fantastischen Blogs! Ich hab mir gleich Jiaogulan-Tee gekauft und bin jetzt schon ganz gespannt wie er schmeckt und ich hoffe dass er mir auch ein bissl dabei hilft meine Kaffeesucht loszuwerden. 🙂
    Könnten Sie mir vielleicht noch sagen welche Thermik dieser Tee hat? Da ich ständig zum frieren neige muss ich da insbesondere jetzt in der kalten Jahreszeit ziemlich aufpassen!
    Vielen Dank und alles Gute
    Sandra Müller

    1. Liebe Frau Müller,

      Danke. Ich freue mich sehr über Ihre Worte. Das Kraut ist leicht bitter und leider kalt. Es wirkt aber allgemein nährend und stärkend auf den Körper. Mein Vorschlag: probieren Sie es ganz langsam aus und spüren Sie nach, wie es Ihnen damit ergeht.

      Ihre Miriam Betancourt

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