Birne – Superfood für die Haut

Birnen
Im Garten meiner Eltern steht ein alter Birnenbaum. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er da mal nicht gestanden hätte. Er war einfach immer da. Knorrig und verschroben ist er, auf dem Boden unter ihm konnte man im Sommer nur schwer barfuß laufen, weil immer irgendwelche kleinen heruntergefallenen harte Früchtchen auf dem Rasen lagen, die sich in die Fußsohlen bohrten. Aber im Herbst waren die Birnen, die es bis dahin geschafft hatten, um so leckerer. Sie waren weder so groß wie im Supermarkt, noch so makellos schön. Stattdessen hatten sie oft viele braune Stellen. Davon sollte man sich aber nicht schrecken lassen. Denn nun im Herbst sind ihre Früchte süßer und saftiger als so viele der hochgezüchteten Artverwandten. Und noch ein Geschenk für die Haut hat diese Birnenbaum übrig im Herbst, denn die Frucht ist ein Superfood, wie man auf neudeutsch sagen würde.

Dazu muss ich aber zunächst von Verlust und Traurigkeit sprechen und von deren Auswirkungen – unter anderem auf unsere Haut – wenn man diese Gefühle nicht annimmt und in ihnen stecken bleibt. Das tun weit mehr Menschen als es in unserer „Ich-bin-ja-so-gut-drauf-Welt“ vermuten lässt. Aber man darf sich nicht täuschen lassen – nicht von anderen und auch nicht von sich selbst. So oft höre ich Worte, an denen ich Zweifel habe. Worte wie:

Ja, ich hatte erneut eine Fehlgeburt. Aber das ist gar nicht so schlimm. Wir versuchen es halt neu.

Ja, ich habe die Kündigung bekommen. Aber die wussten mich eh nie zu schätzen.

Ja, mein Vater ist gestorben, aber das ist jetzt schon ein Jahr her. Das schmerzt nicht mehr.

Ja, unsere Beziehung ist zerbrochen, aber dann eben auf zu neuen Ufern.

Die Idee mit den neuen Ufern ist ja gar keine schlechte, nur was ist mit der Zeit der Trauer, die vor dem Neubeginn liegt? Nichts widerstrebt unserem Zeitgeist so sehr wie das Gefühl der Trauer. Kein Fortschritt, keine Aktivität, einfach nur das große und scheinbar nie enden wollende Nichts. Wer sich vor dieser Zeit drückt, schädigt sein Metall. Unter diesem Begriff versteht die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) eine Reihe von Abläufen in unserem Körper, die mit Haut, Lunge und Darm zu tun haben.

Zweig im Winter

Wenn es verwelkt

„Die Kälte und Starre des übermächtigen Metalls verhindern, dass diese Menschen die Trauer und Depression empfinden können, die tief in ihrem Inneren haust wie ein Seeungeheuer. Statt die Trauer wahrzunehmen und ihr den angemessenen Raum zu geben, bis sie von selbst zu Ende geht, werden Durchhalteparolen bemüht: Man hat es halt nicht leicht, aber man tut eben seine Pflicht, wo andere es sich zu einfach machen! Die zeitgemäßere Variante verweist nicht mehr auf die altmodische Pflicht, sondern auf den dicht gedrängten Terminplan und die ‚Sachzwänge‘, die keine unproduktiven Gefühlsregungen zulassen“, schreiben die Autorinnen Christine Li und Ulja Krautwald in meinem Lieblingsbuch „Der Weg der Kaiserin“ über diesen Zustand.

Und doch gibt es keinen Weg um die Trauer herum, will man nicht in der Erstarrung stecken bleiben. Wer sein Leben in vollen Zügen lebt, wird diesen Tunnel ein paar Mal durchschreiten müssen. So viele Menschen hat man im Laufe der Jahre verabschieden müssen, sei es durch Tod oder weil die gemeinsame Zeit einfach zu Ende war. So viele Trennungen gab es, sei es durch die eigene Entscheidung oder durch die Wahl eines anderen. So viele Pläne mussten unerfüllt bleiben, weil die Zeit nicht reif war oder es einfach nicht klappen wollte.

Birnr

Superfood für die Haut

Im Herbst macht sich Trockenheit breit. Die Pflanzen ziehen ihre Säfte zurück, die Bäume lassen die Blätter fallen. Es riecht modrig im Wald, der Duft der Vergänglichkeit. Im Herbst des Lebens lassen auch die Säfte im Körper nach. Säfte sorgen unter anderem für pralle Haut und Fruchtbarkeit. Beides nimmt ab. Falten zeigen sich im Gesicht. Manche Menschen treiben diese Vertrocknung noch systematisch mit viel Kaffee und Zigaretten voran. Beides schädigt die Säfte.
Und nun komme ich zurück zum Birnenbaum im Garten meiner Eltern. Birnen sind ein wahres Yin-Tonikum und können das Metall befeuchten. Am liebsten koche ich Birnen zu Kompott, dann sind die Früchte bekömmlicher für unsere Verdauungsorgane. Ebenfalls das Metall befeuchtend und somit gut für die Säfte, die wichtig für die Haut sind, sind Mandeln und Pinienkerne. Viel Wasser zu trinken, hilft nicht. „Körperfremdes Wasser kann nicht befeuchten, wenn das blockierte Metall es nicht verteilt“, so die Autorinnen. Hilfreich ist es auch, Austrocknendes zu vermeiden. Dazu hier mehr in dem Beitrag „Gute Getränke für die Haut“. Hilfreich ist auch Ginseng, Eibisch, Borretsch, Königskerze oder Aloe Vera. Auch schwarze Lebensmittel wie schwarze Bohnen, schwarzer Sesam und Algen empfiehlt die chinesische Ernährungslehre. Unterstützenden sollen auch Fisch- und Meeresfrüchte. Scharfes und Bitteres sollten eher vermieden werden.

Birnenblüten

Birne unterstützt

Doch das Metall hat noch einen Schatz für uns parat. Nach der Vorstellung der chinesischen Philosophie hilft es uns, das Gute vom Schlechten zu trennen. „Es ist nicht möglich, dass alle Ideen und Hoffnungen verwirklicht werden, so wie es auch unmöglich ist, dass als allen herabgefallenen Kastanien neuen Kastanienbäume wachsen. Darum hilft das Metall zu unterscheiden, hilft sich von gestorbenen Projekten und Ramsch zu befreien. …Das gesunde Metall beherrscht die Kunst, sich vom Überflüssigen zu befreien“, so die Autorinnen im „Weg der Kaiserin“.
Der alte Birnenbaum im Garten meiner Eltern hat schon viele Jahreszeiten kommen und gehen sehen, schon so manche Tränen wurde unter seinem Geäst getrocknet und so manche Party gefeiert. Und jeden Herbst spendet er seine Früchte, damit wir unser Metall befeuchten können. Ich hoffe, das wird er noch lange tun. Sollte er mal sterben, fände ich das sehr traurig.

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